Zwei Kapitalquellen für einen großen Ausbau

Oracle hat parallele Angebote für rund zehn Milliarden US-Dollar neue Stammaktien und zehn Milliarden Dollar Anleihen bepreist. Nach der Unternehmensmitteilung vom 2. November werden 86.206.897 Aktien zu jeweils 116 Dollar angeboten. Für beide Transaktionen ist der Abschluss am 4. November 2026 vorgesehen, vorbehaltlich der üblichen Bedingungen. Am Redaktionsstand 3. November handelt es sich damit um festgelegte Konditionen und erwartete Erlöse, noch nicht um einen bestätigten Abschluss.

Der Konzern erwartet nach Abschlägen und geschätzten Kosten etwa 9,9 Milliarden Dollar Nettoerlös aus dem Aktienangebot sowie rund zehn Milliarden Dollar aus den Anleihen. Als Verwendungszwecke nennt er allgemeine Unternehmenszwecke. Dazu können Investitionen, Schuldentilgung, Übernahmen, Dividenden und Aktienrückkäufe gehören. Die gesamten Erlöse sind also nicht ausschließlich einzelnen KI-Rechenzentren zugeordnet.

Was die Anleihekonditionen bedeuten

Das bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegte endgültige Konditionenblatt verteilt die Schulden auf fünf Laufzeiten bis 2029, 2031, 2033, 2037 und 2046. Die jährlichen Kupons reichen von 7 bis 8,65 Prozent. Kupon und Rendite sind dabei unterschiedliche Größen: Die Rendite berücksichtigt zusätzlich den Ausgabepreis und die Rückzahlung.

Auf Basis der Nominalbeträge und Kupons ergibt sich rechnerisch eine jährliche Zinslast von rund 777 Millionen Dollar für die neuen Anleihen. Das ist eine eigene Berechnung aus den fünf Tranchen; Gebühren und andere Finanzierungseffekte sind darin nicht enthalten. Der Betrag verdeutlicht die dauerhaften Verpflichtungen, die mit dem Kapitalzufluss entstehen.

Aktien lösen ein anderes Problem. Für dieses Kapital muss Oracle keinen festen Anleihezins zahlen. Dafür verteilt sich der Unternehmensanteil auf mehr Aktien. Ob sich die Finanzierung für bestehende Anteilseigner wirtschaftlich auszahlt, hängt deshalb davon ab, welche Erträge die zusätzlich finanzierten Kapazitäten später erzielen.

Ein neuer Schritt nach dem Februarplan

Am 1. Februar hatte Oracle für das Kalenderjahr 2026 einen Finanzierungsrahmen von 45 bis 50 Milliarden Dollar angekündigt, ungefähr zur Hälfte über Eigenkapital und eigenkapitalnahe Instrumente. Damals stellte das Unternehmen nur eine frühe Anleiheemission in Aussicht und erwartete keine weiteren Anleihen im restlichen Kalenderjahr. Das Novemberangebot geht damit über diese damalige Erwartung hinaus. Der Februartext ist als historischer Plan einzuordnen, nicht als aktueller Gesamtstand.

Reuters ordnet die neue Kapitalaufnahme in Oracles kostspieligen Ausbau der KI- und Cloudinfrastruktur ein. Die Agentur berichtet über 125,34 Milliarden Dollar ausstehende Anleihen und weitere Kreditverbindlichkeiten zum 31. August. Sie verweist außerdem auf die vom Unternehmen formulierte Erwartung, dass der freie Cashflow in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 positiv werde. Diese Aussage bleibt eine Prognose.

Auftragsbestand ist noch kein Geldeingang

In den am 10. September veröffentlichten Ergebnissen des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2027 meldete Oracle verbleibende Leistungsverpflichtungen von 664 Milliarden Dollar. Diese als RPO bezeichnete Kennzahl erfasst vertraglich vereinbarte, noch zu erbringende Leistungen. Sie ist weder ein vorhandenes Bankguthaben noch bereits verbuchter Umsatz. Zugleich berichtete der Konzern trotz hohen operativen Mittelzuflusses einen negativen freien Cashflow für das Quartal.

Die redaktionelle Schlussfolgerung: Langfristige Verträge können den Ausbau stützen, beseitigen aber die zeitliche Lücke zwischen heutigen Bau- und Hardwareausgaben und späteren Kundenzahlungen nicht. Für die weitere Entwicklung sind deshalb Auslastung, Zahlungseingänge, Investitionsbedarf und Schuldendienst gemeinsam zu betrachten. Eine große Finanzierung allein belegt noch keine rentable KI-Infrastruktur.

Quellen
Oracle, Preisfestsetzung vom 02.11.2026, verbreitet über PR Newswire
SEC, endgültiges Anleihe-Konditionenblatt vom 02.11.2026
Oracle, ursprünglicher Finanzierungsplan vom 01.02.2026
Oracle, Quartalsergebnisse vom 10.09.2026
Reuters / MarketScreener, 02.11., aktualisiert 03.11.2026

Redaktionsstand: 3. November 2026.